Rückblick: Kultursommer 2020

Theater in der Dorfkirche
Sa, 29.August, 20 Uhr: „Kunst“ von Yasmina Reza
Fr, 4.September, 20 Uhr: „Pastor bleibt Pastor"
Sa, 12.September, 20 Uhr: „Noch’n Gedicht“

Das Theaterstück „Kunst“ in unserer Dorfkirche

Am Samstag, 29. August 2020 hat unser „Kultursommer“ mit dem Theaterstück „Kunst“ begonnen. Bei herbstlich-regnerischem Wetter haben wir den Spielort in unsere Dorfkirche verlegt. Unser Technikteam um Nick Theilacker, Julius Kolb und Samuel Kolb hat den Kirchenraum wiedereinmal in beeindruckender Weise ausgeleuchtet. Besonders die prägnante Bolheimer Kanzel mit den Engeln kam hier in einem „neuen Licht“ zur Geltung. Das Ensemble des Regionentheaters hat emotionsgeladen und mit einer hohen Präsens diesen ungewohnten Spielraum gefüllt. Die drei wunderbaren Schauspieler entwickelten einen Gefühlsausbruch an den Nächsten, Gehässigkeiten, Wut, Schadenfreude und gespieltes Mitleid werden mit großer Leidenschaft durchlebt. Dabei hat sich die Beziehung der drei „Freunde“ neu ausgerichtet, an Tiefe gewonnen und gleichzeitig auch ein gemeinsames Wissen um deren Zerbrechlichkeit und Feinsinn entwickelt. Versöhnung und das Aushalten des Anderen wurden als notwendige Herausforderungen in allem Miteinander spürbar. Nach rund 90 bewegenden Spielminuten gab es viel Applaus für das Ensemble. Bei Nachgesprächen wurde deutlich: In diesem besonderen Raum, entstehen neue Blickwinkel auf gemeinsames Leben, Gott und seine Menschenkinder. An diesem Abend waren wir eine kleine, feine Zuschauergruppe. 

 

 

Theater-Lesung zu Dietrich Bonhoeffer in unserer Dorfkirche

Am Freitag, 4.September 2020 hat unser „Kultursommer“ mit der Theaterlesung „Pastor bleibt Pastor“ zu Dietrich Bonhoeffer seine Mitte erreicht. Gesine Keller vom WortKino aus Stuttgart hat die Lebensgeschichte von Dietrich Bonhoeffer mit großer Spannung und Intensität vorgetragen. Eine interessante Linie ergab sich in der Entwicklung Bonhoeffers: Von Klein auf waren in seinem Elternhaus Menschen unterschiedlichste Lebenswelten zu Gast und als junger Student bzw. angehender Pastor hat Bonhoeffer viele Länder berreist. Der selbstversändliche Kontakt und Austausch mit ihm fremden Lebensentwürfen hat ihn bedeutsam geprägt. Gesine Keller spricht in diesem Zusammenhang von „sozialer Fantasie“ bei Bonhoeffer. Diese „Soziale Fantasie“ habe sein entschiedenes Eintreten und seinen wachen Blick als Christ während der NS-Zeit maßgeblich mitbestimmt. Öffentliche Verantwortung ist für Bonhoeffer notwendig: „Tu den Mund auf für die Schwachen“. Christliche Freiheit ist der feste Boden, welcher Bonhoeffer den Frei-Raum zu verantwortlichem Handeln schenkt. Bonhoeffers Zitat „Die Macht des Einen, braucht die Dummheit der Anderen“ ist heute – weltweit gesehen – aktuell wie vor 75 Jahren.

 

„Noch’n Gedicht – Theater zu Heinz Erhardt“

Das Regionentheater hat mit seinem Stück zu Heinz Erhardt unseren Bolheimer Kultursommer beendet. Vielen Dank an alle Besucher, Mit-Anpacker (besonders Nick, Julius, Justus!) und Möglich-Macher. Passend zu Heinz Erhardt beenden wir dieses Projekt mit „noch n’Gedicht“:

Warum die Zitronen sauer wurden (Heinz Erhardt)

Ich muss das wirklich mal betonen:
Ganz früher waren die Zitronen
(ich weiß nur nicht genau mehr, wann dies
gewesen ist) so süß wie Kandis.

Bis sie einst sprachen: „Wir Zitronen,
wir wollen groß sein wie Melonen!
Auch finden wir das Gelb abscheulich,
wir wollen rot sein oder bläulich!“

Gott hörte oben die Beschwerden
und sagte: „Daraus kann nichts werden!
Ihr müsst so bleiben! Ich bedauer!“
Da wurden die Zitronen sauer . . .