Rückblick: Ostern 2020

Kirche zum Spazierengehen – Dieses Jahr haben wir Ostern anders gefeiert

Kirche zum Spazierengehen – Dieses Jahr haben wir Ostern anders gefeiert

Für Familien hingen zur Kar- und Osterwoche jeweils in Abschnitten Bilder mit Erklärungen am Gartenzaun vor unserer Kirche. Manche der kleinen und großen Spaziergänger kamen jeden Tag und haben sich ein Bild nach dem anderen angeschaut und den Text vorlesen lassen.

An Palmsonntag waren viele Bolheimer neugierig. Manche haben uns zugetraut, dass wir gleich einen echten Esel in unseren Kirchgarten stellen. Das war gar nicht so abwegig – im Corona-freien-Vorfeld hatten wir schon etwas in dieser Richtung angedacht. In diesem Corona-Jahr hat nun unser hübscher Papp-Esel zu Gründonnerstag gegrüßt und mit der einen oder anderen „Hosianna!“ gerufen. Abends beim Aufräumen lag dann sogar ein echter Apfel im Futterheu des Esels. Darüber haben wir uns gemeinsam mit den hungrigen Vögeln im Garten gefreut.

Gründonnerstag hat viele, viele Zweifel und Fragen ernstgenommen. Dafür kamen Scherben und zerknüllten Gedanken auf den Tisch vor unserer Kirche. Das hat erschreckend gut zu aktuellen Situation gepasst: Viele Ideen, Pläne, Ziele und Wünsche sind dieses Frühjahr einfach zerknüllt worden – unklar ist, wie es weitergeht. Da kommt die Unsicherheit und Wut der Jünger nach Jesu Gefangenahme spürbar nahe. Gleichzeitig war der Tisch auch mit Wein und Brot gedeckt – Einladung und Erinnerung, dass Gott jedes Leben erhält, diese Zweifel selbst erleidet und darin mitgeht.

 

An Karfreitag haben wir uns der „Stunde Null“ gestellt: Jesus ist gestorben. Bespuckt, zerschlagen, einsam und verlassen. Diese Trauer trägt schwarz. Verbunden mit den Trauernden aller Zeiten und Orte. Dabei stärkt ein Bekenntnis von Dietrich Bonhoeffer den Rücken: Dietrich Bonhoeffer wurde brutal mit dem Bösen konfrontiert. 1934 ahnt er, dass dieser Wahnsinn keine kurze Episode, sondern, dass er so etwas wie einen absoluten „Nullpunkt“ – das Nichts – der „Menschengeschichte“ erlebt. Bonhoeffer schreibt dazu: „Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen. Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein.“

 

Am Ostersonntag haben früh morgens unsere Glocken gejubelt. Und den Tag über haben zwei Engel vor unserer Kirche in diesen Jubel eingestimmt: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, sondern er ist auferstanden!“ Die Osterimpulse lagen in einem goldenen Vogelkäfig zum Mitnehmen bereit: Das Käfigtürchen steht offen: Jesus Christus hat den Tod überwunden – er hat uns von der Macht des Todes befreit!

Am Ostermontag hatten wir eine bunte Wäscheleine vor unserer Kirche aufgespannt. Daran hingen viele, viele gelbe Tütchen mit Blumensamen für bunte Insektenwiesen. Das Umweltbüro unserer Landeskirche hat uns die Samen zur Verfügung gestellt und wir haben damit zu einem Achtsamkeitsspaziergang am Ostermontag eingeladen: So wird die Osterfreude spürbar und blüht auf – vielleicht auch bald in Ihrem Garten!